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Interview des Magdeburger Kurier mit Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper

Quelle: Brosza
Bei der Neu-Wahl am 9. März dieses Jahres wurde Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper mit überzeugenden 64% in seinem Amt bestätigt. Herzlichen Glückwunsch. Lesen Sie bitte das nachfolgende Interview , das vor der Wahl gemacht wurde.


Kurier: Herr Oberbürgermeister, welche positiven Veränderungen sind während Ihrer Amtszeit für und in Magdeburg erreicht worden und wo muss mehr getan werden?
Dr. Trümper: In den letzten 6 ½ Jahren ist eine deutliche Weiterentwicklung in Magdeburg nicht zu übersehen. Besonders positiv fällt die Verbesserung und Neugestaltung des baulichen Zustands der Innenstadt ins Auge, dazu zählt das Gebiet  um das Kloster, der Domplatz,  der Fürstenwall, die Sternbrücke, die Elbuferpromenade mit dem Petriförder, die Lukasklause, um nur die wichtigsten zu nennen. Nicht zu vergessen der Neubau von  Sportstätten, wie das Stadion und die Sanierung der Elbeschwimmhalle. Auch die Theaterlandschaft hat sich positiv weiterentwickelt.
Natürlich gibt es auch Dinge, an denen wir weiter verstärkt arbeiten müssen.
Vorrangig sind das die Ansiedlung von Betrieben  und das Weiterwachsen der vorhandenen Betriebe. Am meisten bedrückt mich die nach wie vor zu hohe Arbeitslosigkeit in unserer Stadt, die wir gemeinsam mit Bund und Land weiter bekämpfen müssen.
Als zeitnahe wichtige Aufgabe sehe ich, die anstehenden Schulen - und Kindergarten- Sanierungen  so schnell wie möglich anzugehen. Dazu gibt es bereits Vereinbarungen für die nächsten 4-5 Jahre.
Kurier: Die Seniorenpolitik ist nicht nur aufgrund des demografischen Wandels ein wichtiger Bestandteil der Kommunalpolitik. Ihre Äußerung:" Wenn sich die Senioren in der Stadt wohl fühlen, ist das für die Atmosphäre in der Stadt gut", stimmt optimistisch.
Wie sehen Sie das Erreichte für die älteren Bewohner unserer Heimatstadt?
Dr. Trümper: Ich habe bei vielen Gesprächen eine positive Resonanz gerade auch von unseren älteren Einwohnern zu den sichtbaren positiven Veränderungen bekommen. In der letzten Zeit überwiegen allerdings in der Öffentlichkeit solche Themen wie die Vorgänge im Pflegeheim Am Luisengarten und im Krankenhaus Olvenstedt oder der Umgang mit Ausländern und der Aufmarsch der Rechten. Solche Vorkommnisse, die mich sehr bedrücken, machen die positiven Ergebnisse vieler Jahre mit einem Schlag kaputt, auch deutschlandweit. Denn unsere Seniorenheime und die Pflegeangebote können sich sehen lassen. Wir müssen die entsprechenden Schlussfolgerungen aus Fehlern ziehen und werden zukünftig mit  mehr Controlling arbeiten, um solche Vorkommnisse zu verhindern.
Kurier: Bei Ihrer eventuellen Wiederwahl, welche Schwerpunkte in Bezug auf Seniorenpolitik und das ehrenamtliche Engagement werden Sie setzen?
Dr. Trümper: Ich setze mich dafür ein, dass die Senioren sich weiterhin gut in unserer Stadt aufgehoben fühlen. Natürlich trifft das auch für die jungen Leute in unserer Stadt zu. Und dazu trägt ja auch die Seniorenvertretung ganz aktiv mit ihrer Arbeitsgruppe "Dialog der Generationen" durch die Einbeziehung von Kindern, Jugendlichen und ausländischen Studenten in ihren "Dialog" bei. Für uns ist dieses gelebte Miteinander eine willkommene Unterstützung in unserer lebens- und liebenswerten Stadt.
Seniorenpolitik heißt ja nicht nur Pflege und Betreuung. Das ist selbstverständlich. Seniorenpolitik ist z. B. auch der Seniorensport. Wir werden Turnhallen sanieren und zwar jetzt, bevor sie durch Leerstand verfallen! Wir wollen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben weiter verbessern durch gute Kulturangebote. Es wird  zur Zeit  keine weiteren Kürzungen vom Land für das Theater geben. Doch wie es weitergeht ist ungewiss, wenn z.B. Tariferhöhungen kommen sollten.
Viele Senioren sind ehrenamtlich engagiert. Ich werde das, wie auch in den vergangenen Jahren, entsprechend würdigen. Wir werden den Freiwilligenpass weiterführen, dem Ehrenamt die entsprechende öffentliche Anerkennung angedeihen lassen, über Sponsoring versuchen, eine Aufwandsentschädigung zu leisten.
Als großes Problem für die Zukunft sehe ich die wachsende Altersarmut in unserer Region. Hier muss eine gemeinsame Lösung mit dem Bund gefunden werden, denn im Osten ist die Situation prekärer als im Westen.
Kurier: Die Senioren und nicht nur sie haben große Sorgen um die zukünftige Versorgung mit Haus- und Fachärzten
Dr. Trümper: Diese Sorgen sind berechtigt. Die Stadt versucht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten dagegen zu steuern. Ich habe im vergangenen Jahr einen Vertrag mit dem Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Dr. Burkhard John geschlossen. Wir wollen rechtzeitig erkennen, wo ein Mangel entsteht und gemeinsam dafür werben, Ärzte in die Stadt zu holen. Auch die WOBAU ist beteiligt, sie stellt, wenn es notwendig ist, jungen Ärzten günstig Räume zur Verfügung.
Zur Zeit ist die ärztliche Versorgung noch relativ gut, abgesehen von der  schlimmen Situation bei Augenärzten. Doch junge Ärzte als Nachfolger zu gewinnen ist nicht einfach. Denn auch sie entscheiden ihren Arbeitsort nach der besten Bezahlung. Wir unterstützen deshalb als wichtige Maßnahme die medizinischen Versorgungszentren (MVZ) vor allem in den Krankenhäusern. Die Stadt will und wird gemeinsam mit der KV Angebote machen, dass Ärzte hier bei uns praktizieren.
Kurier: Wir sprachen vorhin von drohender Altersarmut. Müssen wir in der nächsten Zeit mit steigenden Beiträgen der Städtischen Gesellschaften (GmbH) und der Eigenbetriebe rechnen?
Dr. Trümper: Bei den GmbH SWM und MVB legt die Stadt die Preise nicht fest. Sie hat Einfluss nur über den Aufsichtsrat. Die Preise für Abwasser und Wasser sowie bei der Energie sind bei uns noch verhältnismäßig günstig, wie wir  einem Vergleich in der Zeitung entnehmen konnten. Für die Zukunft ist  keine verlässliche Aussage möglich, da die Preise vorrangig von der Entwicklung des Ölpreises auf dem Weltmarkt abhängen. Die Eigenbetriebe, wie das Theater, das Puppentheater oder die Abfallwirtschaft, erwirtschaften keine Gewinne, sie erfüllen nur städtische Aufgaben. Ihre Preisentwicklung hängt u.a. von Tariferhöhungen und der Strompreisentwicklung ab.
Um auf die drohende Altersarmut zurückzukommen. Ich möchte auf den Magdeburg Pass verweisen, den auch bedürftige Rentner in Anspruch nehmen können.
Kurier: Eine letzte Frage: Angesichts der zunehmenden Überfälle hat sich das Sicherheitsgefühl der älteren Bürger drastisch verschlechtert. Wie will die Stadt dem entgegenwirken?
Dr. Trümper: Als Stadtoberhaupt habe ich einen guten und ständigen Draht zur Polizei. Ich leite seit Jahren gemeinsam mit dem Polizeichef den Kriminalpräventiven Beirat. Viermal im Jahr  treffen wir uns und pflegen ständigen Informationsaustausch zur Bekämpfung der  Jugendkriminalität und der Sicherheit für die älteren Mitbürger, um nur zwei Beispiele zu nennen. Jüngstes Ergebnis des Zusammenwirkens ist das "Alkoholverbot" am Hasselbachplatz.
Wir setzen verstärkt auf die Präsenz von Polizei, Ordnungskräften, Parkwächtern, Stadtwacht usw. Sehr wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die präventive Aufklärung unserer älteren Bürger. Auch hier ist uns die Seniorenvertretung mit ihrer Arbeitsgruppe Sicherheitsberater eine wertvolle Unterstützung.
Kurier: Vielen Dank für das Interview

Das Gespräch führten Gerda Bednarz und Heidi Brosza


geschrieben / geändert am : 24.02.2008