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Unsere Erdachse

Auf dem Magdeburger Bahnhofsvorplatz – dem Willy-Brandt-Platz – zeigt ein Stab aus schwarzem Granit schräg hinauf in den Himmel.


Das Werk wurde geschaffen von Prof. Timm Ulrichs. Der Winkel zwischen Stab und Erdboden beträgt 52,7 Grad. Da fällt dem erdkundlich Interessierten doch gleich ein, dass dies auch der Breitengrad ist, auf dem wir leben. Der Stab steht nämlich parallel zu unserer Erdachse und zeigt Tag und Nacht hinauf zum Polarstern, um den sich - so sieht es jedenfalls aus - das ganze Himmelsgewölbe zu drehen scheint. Dieser Meinung war man ja bis zur Zeit von Kopernikus und Galilei. Tatsächlich aber sitzen wir auf unserer Erdkugel wie auf einem großen Karussell, dessen Drehachse - jedenfalls für lange Zeit - in ihrer Richtung fest im Raum bleibt und deshalb immer auf einen bestimmten Punkt im Weltall zeigt. Dort steht - rein zufällig und ohne Besonderheiten - ein Fixstern, der wie alle Fixsterne also auch eine Sonne ist, allerdings  430 Lichtjahre weit entfernt. Dadurch erscheint dieser Stern auch nur als kleiner Lichtpunkt, obwohl er tatsächlich 2000mal heller ist als unsere Sonne. Der Polarstern gehört zum Sternbild "Kleiner Bär". Er gibt die Nordrichtung an und wird schon seit alten Zeiten zur Orientierung am nächtlichen Himmel genutzt. Finden kann man ihn, indem man den Abstand der beiden hinteren Sterne des Kastens am "Großen Wagen" fünfmal verlängert. Die Erdachse auf unserem Bahnhofsvorplatz mit einer Gesamtlänge von 12,71 m verhält sich zur realen Erdachse wie 1 : 1 000 000. Sie ist übrigens auch eine Uhr. An dem schweren Ring aus schwarz-rotem Granit, der den Äquator darstellt, kann man die Uhrzeit ablesen, denn er macht täglich eine volle Umdrehung, angetrieben von einem Motor in der Tiefe.

Dieter Müller





geschrieben / geändert am : 12.05.2011