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85. Jahrestag der Eingemeindung

Kirche St. Eustachius und Agathe
Kirche St. Eustachius und Agathe
Quelle: Dieter Findeklee
Diesdorf – ein Stadtteil im Westen der Landeshauptstadt Magdeburg


Eine lange wechselvolle Geschichte prägte Diesdorf. Der Zeitpunkt der ersten Ansiedlungen ist nicht genau bekannt. Auf Grund von Grabungsfunden ist zu vermuten, dass der Ort bereits zwischen dem 4. und 8. Jahrhundert entstand. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er 937 als Thietherestorp in einer Urkunde Otto I. anlässlich der Übereignung an das Moritzkloster. Der Name Thietherestorp ist wahrscheinlich auf eine hochdeutsche Form des Personennamens Diether zurückzuführen. Möglicherweise war er ein begüterter Besitzer, der dem Dorf seinen Namen gab.
Im Jahr 1350 während der großen Pestepidemie (1348-1357) ging der Besitz an das Kloster Berge über. Zur gleichen Zeit (1350) wurde mit dem Bau der Diesdorfer Kirche begonnen.Bereits 1552, etwa 30 Jahre nach dem Einzug der Reformation in Magdeburg, bekam Diesdorf mit dem Bauernsohn Steffen Müller seinen ersten evangelischen Pfarrer. Die erste Schule, unterhalten von der Kirchengemeinde, nahm bereits 1565 den Unterricht auf. In den Jahren 1630/31 während des Dreißigjährigen Krieges hatte Tilly 1.900 Soldaten in Diesdorf stationiert. Am Ende des Krieges war der gesamte Ort bis auf die Kirche zerstört. Ausgangs des 17. Jahrhunderts hatte Diesdorf bereits wieder 200 Einwohner. Im 18.Jahrhundert stellte die Kirchgemeinde Baugrund rechts der Schrote zur Verfügung. Dieser Grund und Boden war sehr begehrt, weil die dortigen Bewohner keine Dienste für die Kirche zu leisten hatten. Die Bevölkerung wuchs auf 400 Einwohner an.Nach der preußischen Verwaltungsreform im Jahre 1815 kam Diesdorf zum Kreis Wanzleben. Ein Großbrand vernichtete 1833 siebzehn Höfe. Beim Wiederaufbau spiegelte sich der durch den fruchtbaren Bördeboden hervorgegangene Wohlstand wider. Es entstanden zum Teil villenartige Gebäude.Mit dem Beginn der Industrialisierung Ende des
19.Jahrhunderts wandelte sich der Charakter des Ortes von der bisherigen rein landwirtschaftlichen Prägung immer mehr zu einer Arbeiterwohnsiedlung.Da sich auch das Stadtgebiet von Magdeburg besonders im 20.Jahrhundert immer mehr ausbreitete, war bald die Grenze zu Diesdorf erreicht.Vor 85 Jahren, am 1.April 1926, erfolgte die Eingemeindung nach Magdeburg. Im gleichen Jahr wurde das Magdeburger Straßenbahnnetz bis nach Diesdorf  erweitert. Am 16. September fuhr die erste Bahn. Zu diesem Zeitpunkt hatte der neue Stadtteil bereits über 3.000 Einwohner.Während der DDR-Zeit wurde die 525 ha große Nutzfläche durch die KAP (Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion) Niederndodeleben bearbeitet. Zuckerrüben, Weizen und Feldgemüse waren die Hauptanbauprodukte. Am nördlichen Ortsrand entstanden Ställe für Rinder, Schweine und Legehennen. Die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) Olvenstedt übernahm diese Tierproduktion. Im Schrotetal oberhalb des Dorfes wurde ein großer Gewächshauskomplex errichtet. In diesem sind Blumen und Treibgemüse zur Versorgung der Magdeburger angebaut worden. Seit 1990 sind keine landwirtschaftlichen Betriebe mehr in Diesdorf ansässig. Nach und nach siedelten sich mittelständische Betriebe an.
Ein Heimatverein, 1998 gegründet, arbeitet sehr aktiv. Als Beispiel seien u.a. der Kinderspielplatz und der "Bolzplatz" genannt.Nicht nur Neubauten, sondern auch eine Reihe sanierter Altbauten sind Zeugnisse dafür, dass sich Diesdorf zu einer beliebten Wohngegend entwickelt hat. Kein Wunder, ist doch die dörfliche Idylle erhalten geblieben und die Innenstadt mit der Straßenbahn innerhalb von 10 Minuten zu erreichen.

Der Artikel entstand unter Nutzung von Wikipedia und dem
Buch "Magdeburg und seine Umgebung".

 Dieter Findeklee


geschrieben / geändert am : 12.05.2011