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Festung Magdeburg

Im Magdeburger Stadtbild erinnert nur noch wenig an die alte und größte preußische Festung.


Jedoch sind in den vergangenen Jahren einige noch durchaus beachtliche Befestigungsanlagen aus einem gewissen Dornröschenschlaf geholt worden, indem man sie durch Anlegen von Wegen überhaupt zugänglich gemacht hat.

So können Sie  zwischen Mittagessen und Kaffee einen Verdauungsspaziergang machen zwischen Wall, Wassergraben, Festungsmauern und sogar einem Stadttor in einem Streifen zwischen Maybachstraße und Magdeburger Ring. Der Ein- oder Ausstieg liegt an dem einen Ende südlich des Busbahnhofs - dort halbrechts halten! - und am anderen Ende am Wechsel von der Liebknechtstraße zur Maybachstraße. Dort führt neben einer kleinen Brücke über den Wassergraben ein Fußweg hinunter in den Festungsgraben.
Man geht dann für knapp 2 km durch ein Tal, aus dem man seitlich nicht ausbrechen kann. Lediglich auf halber Strecke führt eine recht primitive Treppe auf die obere Ebene, von der aus man den Weg durch das Glacis erreicht. Über eine Fußgängerbrücke überquert man den Ring und kommt dann im östlichen Stadtfeld heraus.

Begonnen wurden diese imposanten Verteidigungsanlagen nach 1700 unter dem Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau, dem "Alten Dessauer". Weiter ausgebaut wurden sie zur preußischen Festung bis 1740. Insgesamt nahmen die Befestigungen die riesige Fläche von 200 Hektar ein, während das Stadtgebiet nur 120 Hektar groß war. Sog. "Rayonbestimmungen" erschwerten den Hausbau außerhalb der Festung. Da gibt es auch heute noch einige "Rayonhäuser" in Fachwerk-Leichtbauweise, die im Kriegsfall zur Gewinnung von freiem Schussfeld leicht zu beseitigen waren. Aber auch innerhalb des Festungsrings wurde die Entwicklung der Stadt behindert, weil es keine Ausdehnungsmöglichkeit gab.

Als im Jahre 1806 das Heer Napoleons heranrückte, wurde Magdeburg kampflos übergeben, weil die alten Festungsanlagen der neuen Waffentechnik doch nicht widerstanden hätten. Dann aber modernisierte gerade Napoleon die Anlagen, so dass sich sein Heer hier gegen eine einjährige Belagerung durch Preußen bis 1814 halten konnte. Während dieser Zeit wurden Teile von Sudenburg und Neustadt flachgelegt.
Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Festung ihre Bedeutung verloren, war auch schon durchbrochen mit Eisenbahnlinien und wurde 1912 endgültig aufgehoben. Ein Spaziergang aber lässt staunen, dass doch noch ein beachtlicher Teil der Anlagen erhalten ist. Selbst manche alten Magdeburger waren noch nicht dort.

Dieter Müller, ehrenamtliche Redaktion




geschrieben / geändert am : 16.05.2011