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Kirchen in Magdeburg

St. Laurentius in Magdeburg-Olvenstedt


Etwas versteckt hinter hohen Bäumen in einem großen parkähnlichen Gelände seitlich der nach Westen führenden Helmstedter Chaussee steht die nach dem frühchristlichen Glaubenszeugen Laurentius benannte Kirche. Der wehrhafte Turm stammt aus romanischer Zeit, ist also wesentlich älter als das Kirchenschiff. Er konnte als Zuflucht bei Gefahr dienen, wie auch viele andere solche Türme im Magdeburger Land. Der große Kirchenraum entstammt einer viel späteren Epoche. In den Jahren 1722-24 wurde er aus Steinen abgerissener Kirchen in barockem Stil gebaut.
Kriege gingen nicht spurlos an St. Laurentius vorbei. Die schlimmste Zerstörung erfolgte zusammen mit dem großen Luftangriff auf Magdeburg am 16. Januar 1945, als auch diese - eigentlich vom Stadtzentrum weit entfernte - Kirche völlig ausbrannte. Bis 1952 stand sie als Ruine, in der die evangelische Gemeinde aber dennoch Gottesdienste unter freiem Himmel feierte, ja sogar Trauungen.
Unter großen Mühen - auch angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten jener Zeit - und mit hohem persönlichem Einsatz erfolgte von 1952-53 der Wiederaufbau in sehr schlichter Form. Aus einer aufgegebenen Kirche in Athenstedt bei Halberstadt wurden die schönen Holzfiguren übernommen, die seit 1966 den Altarraum schmücken. Da sehen wir Christus mit der Weltkugel, Petrus mit dem Schlüssel, Johannes den Täufer mit der Taufschale und weitere Heilige.
Ein neuer Feind trat auf. Es war der Holzbock, der bis 2002 den Dachstuhl so sehr schädigte, dass die Kirche baupolizeilich gesperrt werden musste. Obwohl es Stimmen gab, die die Rettung des Kirchengebäudes zunächst in Frage stellten, gründete sich im Oktober 2002 ein Förderverein für die Erhaltung der Kirche. Viele Olvenstedter - auch Nichtchristen - unterstützten das Vorhaben. Denn Menschen, die mit Kirche "nichts am Hut haben", sagen sich aber doch: "Das ist unsere Heimat. Hier soll die Kirche im Dorf bleiben. Was unseren Vorfahren wertvoll war, das wollen auch wir achten". Durch das Engagement des Fördervereins, sowie durch staatliche und kirchliche Förderung konnte die Sanierung im Jahre 2008 erfolgreich abgeschlossen werden. Nun erstrahlt das Innere wieder in barockem Glanz und in freundlich-warmem Farbton. Der Raum wirkt geradezu modern, obwohl er nach altem Vorbild gestaltet ist. Er lädt ein zu Besinnung, Gebet und vielfältigen Kulturveranstaltungen.
Zu besuchen ist die Kirche werktags von 9 bis 15 Uhr.

Dieter Müller, ehrenamtliche Redaktion



geschrieben / geändert am : 31.05.2011