Seitenkopf


Reiseland Sachsen Anhalt

Hansestadt Gardelegen –„ Stadt der drei Türme“


Im späten Mittelalter bestimmte die Hanse in weiten Teilen Europas den Handel, sie entwickelte sich aus einem älteren Kaufmannsbund. Auch die Altmarkstädte Stendal, Salzwedel, Tangermünde, Osterburg, Seehausen, Werben und Gardelegen gehörten zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert zum Städtebund der Hanse. Prächtige Rathäuser, reich ausgestattete Kirchen, imposante Backsteintore, malerische Fachwerkhäuser legen noch heute Zeugnis von der mittelalterlichen Blütezeit ab. Über 400 Jahre lang war die Hanse dann nur noch Schmuck für die Städtenamen. 1980 entstand im niederländischen Zwolle der Gedanke, ihren Geist als Lebens- und Kulturgemeinschaft wieder mit Leben zu erfüllen. Als größtes freiwilliges Städtebündnis der Welt trägt sie zum Zusammenwachsen der Völker bei. Aus 15 Ländern sind der Neuen Hanse 167 Städte beigetreten, in Sachsen Anhalt sind es 13, dazu gehört auch Gardelegen.
Interessant ist ein Ausflug in die mehr als 800jährige Stadtgeschichte Gardelegens. Urkundliche Erwähnung als Burg und befestigter Flecken stammt vom 23. November 1196, 1241 wird Gardelegen zum ersten Mal als Stadt bezeichnet. Im 13./14. Jahrhundert erwarb die Bürgerschaft bedeutende Rechte, u.a. das Braurecht, das zusammen mit dem Hopfenhandel das Fundament einer starken Wirtschaft bildete. Die Hopfenstangen im Wappen der Stadt weisen auf die Bedeutung als Bierstadt hin. Seit dem 16. Jahrhundert erscheint auch der Name "Garley" für das Gardeleger Bier. Vor dem 30jährigen Krieg gab es hier 250 Brauereien, obwohl man nur 478 Häuser zählte, 1724 wurde noch in 138 Häusern gebraut.
An die alte Mitgliedzeit von Gardelegen von 1358 bis 1488 in der Hanse erinnern das  Salzwedeler Tor mit den imposanten Rundtürmen und das Rathaus mit seiner spätgotischen Backsteinfassade und den Wappen der altmärkischen Hansestädte. Es steht auf einem sehr seltenen dreieckigen Rathausplatz und ist nach einem Brand 1526 in seiner Grundgestalt mit offener Laube, Arkaden, Spitzbögen und Türmen entstanden. Der mächtige Turm aus dem Jahr 1706 ist von einer schönen Schweifhaube mit doppelt durchbrochener Laterne bekrönt. 275 Jahre nach seinem Verfall steht seit 2002 auch wieder ein Roland am alten Platz.
Neben dem Rathausturm wird die Silhouette der historischen Altstadt von den Türmen der alten Kirchen Sankt Marien und Sankt Nikolai seit Jahrhunderten geprägt.
Die wuchtige Ruine des backsteinernen Sakralbaus der Nikolaikirche am Holzmarkt wird als Baudenkmal erhalten und im Sommer zu Veranstaltungen und Führungen genutzt. 1309 wurde sie erstmals als Pfarrkirche erwähnt. Nach ihrer Zerstörung im zweiten Weltkrieg ist nun die Sankt Marienkirche die Hauptkirche der Stadt. Als romanische Basilika im 12. Jh. errichtet, wurde sie bis ins 15. Jh. in eine fünfschiffige Hallenkirche umgebaut. Viele der kostbaren Ausstellungsstücke stammen aus der zerbombten Nikolaikirche, bemerkenswert ist der vierflüglige Schnitzaltar aus dem 15. Jh..
Der Rundgang durch die unter Denkmalschutz stehende Altstadt führt an vielen interessanten historischen Bürgerhäusern vorbei, auf den angebrachten Tafeln erfahren Sie Wissenswertes zum Objekt.
Auch in der näheren Umgebung von Gardelegen können Sie einen geschichtsträchtigen Ort besuchen, die Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibber Feldscheune, in der im April 1945 Faschisten 1016 Menschen ermordeten.

Doris Franke
Ehrenamtliche Redaktion





geschrieben / geändert am : 31.05.2011