Seitenkopf


Reiseland Sachsen-Anhalt

Denkmal von Kaiserin Katharina II.
Denkmal von Kaiserin Katharina II.
Quelle: R.Franke
Zerbst, ein Ort mit bewegter Geschichte


Vor 330 Jahren, am 31. Mai 1681, legte Fürst Carl Wilhelm von Anhalt - Zerbst den Grundstein zu einer barocken dreiflügligen Schlossanlage, die als eine der bedeutendsten und prächtigsten Mitteldeutschlands galt. Der Entwurf stammte vom niederländischen  Architekten Cornelius Ryckwaert.  Der Bau zog sich über 75 Jahre hin und wurde erst 1756/57 unter Friedrich August, dem letzten Fürsten von Anhalt - Zerbst, fertig gestellt. Am 2. Mai 1729 wird die Prinzessin Sophie Auguste Friederike als Tochter von Fürst Christian August von Anhalt - Zerbst in Stettin geboren. Ins Zerbster Schloss zieht die Familie im Dezember 1742. Als 14 -Jährige reist sie nach Russland, wo sie mit dem späteren Zar Peter III. vermählt wird. Nach seinem Tod wird sie als Katharina II. am 3. Oktober 1762 zur Kaiserin gekrönt und bleibt es bis zu ihrem Tod im November 1796.
Ein deutschlandweit erstes Denkmal für die bedeutende Tochter der Stadt wurde von dem russischen Bildhauer Michael Perejaslawez geschaffen und im Juli 2010 im Zerbster Schlossgarten eingeweiht. Das 4,70 m hohe Bronzedenkmal steht in unmittelbarer Nähe der Ruine  des Schlosses vor der ehemaligen fürstlichen Reitbahn, der heutigen Stadthalle.
Zerbst wurde kurz vor dem Ende des zweiten Weltkrieges fast völlig in Schutt und Asche gelegt. Nur wenige der alten Gebäude sind erhalten geblieben, wozu die beiden Kavalierhäuser auf der Schlossfreiheit gehören. Sie dienten als Wohnhäuser der höchsten Hofbeamten und wurden um 1707 im Stile des Barock umgebaut . Heute befindet sich im Festsaal eine in  Deutschland einmalige Ausstellung zu "Katharina II.". Als einzige Frau der Weltgeschichte erhielt sie den Beinamen "die Große".
Im vorderen Teil der Schlossfreiheit steht die 1215 geweihte spätromanische Stifts- und Hofkirche St. Bartholomäi  mit dem einzeln daneben stehenden Glockenturm, dem "Dicken Turm". Im Innern der Basilika befinden sich Grabplatten der fürstlichen Familie und wertvolle Freskenmalereien.
Die Silhouette der Stadt wird durch die gewaltige Ruine des ältesten Gotteshauses, der spätgotischen Hallenkirche St. Nicolai geprägt. Sie verkörpert ein letztes monumentales Zeugnis der Blütezeit Zerbsts im 15. Jahrhundert. Die Kirchenruine wird Stück für Stück denkmalgerecht gesichert und als öffentliche Kulturstätte genutzt. Seit 2007 kann im Nordturm der 6 m hohe Glockenstuhl mit 5 Glocken besichtigt werden, auch die größte Glocke Anhalts von 1378, die "Gloriosa",  mit einem Gewicht von 5 Tonnen.
Vom ehemals schönen baulichen Ensemble des Marktes sind leider nur wenige historische Bauwerke erhalten geblieben, z.B. die prächtige Sandsteinfigur des stolzen Roland und auf einer 7 m hoher Säule die kleine vergoldete Figur der Butterjungfer.
Ein weiteres Zeugnis der Bedeutung der Stadt ist die ab 1430  errichtete, fast  vollständig erhaltene Stadtbefestigung mit einer Länge von  4,2 km. Der überdachte begehbare Wehrgang, die Wachtürme, Pulvertürme und Wiekhäuser lassen noch heute Umfang und Höhe der Sicherungsanlagen aus dem Mittelalter erkennen. Das beeindruckendste und besterhaltene der ehemals 5 Stadttore ist das Heidetor.
Beim Rundgang durch das über 1000-jährige Zerbst sind noch viele Spuren der bewegten Vergangenheit zu entdecken, es ist ein Streifzug durch die Geschichte von Anhalt - Zerbst.

Doris Franke          
Ehrenamtliche Redaktion  des Magdeburger Kurier



geschrieben / geändert am : 28.07.2011