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Wie wir im Alter leben wollen - Gedanken zur künftigen Gestaltung der kommunalen Seniorenpolitik

Angesichts veränderter Rahmenbedingungen sieht die Seniorenvertretung Handlungsbedarf für Kommunalpolitik


Gedanken zur künftigen Seniorenpolitik der Landeshauptstadt Magdeburg
- von der Mitgliederversammlung am 13.04.05  als Diskussionsgrundlage beschlossen  -

1. Die Veränderung der Rahmenbedingungen erfordert neue     Zielsetzungen

  • Die Magdeburger werden älter. Älter werden bedeutet aber nicht automatisch, hilfebedürftiger zu werden. Der Großteil der älteren Menschen ist zunehmend in der Lage und auch willens, bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
  • Allerdings ist mit steigender Lebenserwartung auch ein Anwachsen der Zahl derjenigen alten Menschen nicht auszuschließen, die zunehmend der Hilfe bedürfen.
  • Die demografische Entwicklung hat zur Folge, dass immer mehr ältere Menschen immer weniger Jüngeren gegenüberstehen. Es besteht die Gefahr, dass die daraus für die jüngere Generation entstehenden Belastungen zu Konflikten führen können. Die erforderliche Solidarität zwischen den Generationen entsteht und entwickelt sich nur weiter, wenn sich Menschen über die Generationen hinweg füreinander engagieren.
  • Die älteren Einwohner/innen der Stadt verfügen über ein großes  Potenzial an Lebens- und Berufserfahrung. Sie können damit einen großen Beitrag zur gemeinsamen Gestaltung der Zukunft und zum solidarischen Miteinander leisten.

Ausgehend von diesen Rahmenbedingungen sollte sich die künftige Seniorenpolitik an folgenden Zielen orientieren:
  • Ein zentrales Ziel der kommunalen Seniorenpolitik ist es, die Lebensräume für die älteren Mitbürger/innen so zu gestalten, dass diese ihr Leben so weit wie irgend möglich eigenverantwortlich führen können.
  • Ein ebenso wichtiges Ziel für die kommunale Seniorenpolitik ist es nach wie vor, die im Verlauf des Alterns erforderlichen Hilfen, Dienste und Einrichtungen zur Verfügung zu stellen und den Menschen damit zu helfen, auch im Alter ein selbständiges Leben in Würde führen zu können.
  • Seniorenpolitik bedeutet auch, den Dialog und die Solidarität zwischen den Generationen zu fördern und zu unterstützen.
  • Die Seniorenpolitik sollte auch das soziale und bürgerschaftliche Engagement und die politische Teilhabe der älteren Generation fördern und unterstützen.

2. Das Vorhandene erhalten und zielgerichtet ausbauen
Unsere Heimatstadt verfügt traditionsgemäß über ein gutes Netz an Einrichtungen für Senioren.
Mit dem "Arbeitskreis für Seniorenfragen" und der "Regionalen Pflegekonferenz" existieren kompetente zentrale Gremien, die bisher im Konsens aller beteiligten Akteure die notwendigen Planungsentscheidungen sachkundig vorbereitet und deren Realisierung begleitet haben.
Auch das ehrenamtliche Engagement im Seniorenbereich und dessen Zusammenwirken mit der Stadtverwaltung und mit Einrichtungen aus anderen Bereichen der Stadt hat bereits einen hohen Stand erreicht.
Mit dem 2004 gebildeten "Magdeburger Netzwerk bürgerschaftliches Engagement" bekennt sich die Stadtverwaltung auch zu einer neuen Qualität der Unterstützung und Förderung des Ehrenamtes.
Wichtigste Planungsdokumente für den Seniorenbereich sind derzeitig der Altenplan der Landeshauptstadt Magdeburg (1997), das Modellprojekt Abgestuftes System von Alten- und Service-Zentren und Offenen Treffs in Magdeburg(1998)und der Pflegestrukturplan (2002).
Mit dem Modellprojekt der Alten- und Service-Zentren und Offenen Treffs wurde zielgerichtet eine neue und zukunftsfähige Qualität geschaffen. Die Alten- und Service-Zentren haben sich zu wichtigen Kompetenzzentren in ihrer Region entwickelt, die über die traditionelle Altenhilfe hinaus in ihrer jeweiligen Region integrierend und kooperierend das kommunale Leben mitgestalten.

3. Erwartungen an die künftige Seniorenpolitik
Um die Risiken und Folgewirkungen der künftigen Entwicklung zu beherrschen und die Chancen zu ergreifen, muss die Politik geeignete Rahmenbedingungen schaffen, die mit ihren Zielsetzungen weit über die traditionelle Altenpolitik hinausgehen.
  • Diese Rahmenbedingungen sollten, wie in anderen Städten bzw. Bundesländern bereits vielfach praktiziert, den Charakter von  seniorenpolitischen Grundsätzen und Leitlinien erhalten.
  • Diese werden unter aktiver Einbeziehung der Seniorinnen und Senioren und der auf diesem Gebiet tätigen Verbände und Vereine erarbeitet. Inhaltlich  erfassen diese Grundsätze/Leitlinien die Gesamtheit der Lebensumstände, Interessen und Wünsche der älteren Bürger Magdeburgs (z.B. soziale und gesundheitliche Sicherung, Wohnen im Alter, Infrastruktur, Versorgung, Mobilität, Kultur-Freizeit-Sport, Sicherheit, seniorenfreundliche Verwaltung, Selbsthilfe und bürgerschaftliches Engagement, Interessenvertretung, Solidarität der Generationen, ältere ausländische Mitbürger ...).
  • Die Grundsätze/Leitlinien sollten durch einen Stadtratsbeschluss den Status einer verbindlichen Vorgabe für die Stadtverwaltung sowie eines Handlungsrahmens für alle in der Seniorenarbeit Tätigen erhalten.
  • Ausgehend von diesen Leitlinien sollten die vorhandenen Planungsinstrumente überprüft, überarbeitet und mit Maßnahmeplänen untersetzt werden.
  • Die Zielerreichung sollte unter Kontrolle des Stadtrates stehen. Hierzu bietet sich die Aussprache zum jährlichen Bericht des Seniorenbeauftragten an. Die Durchführung von Seniorenforen im Stadtrat im Abstand von 2 Jahren, wie es auf Landesebene bereits erfolgreich praktiziert wird, wird ebenfalls als wirksames Instrument angesehen.

Die Seniorenvertretung möchte mit diesem Papier eine notwendige öffentliche Zukunftsdiskussion anregen. Sie ist wie bisher zur aktiven Mitwirkung und Mitgestaltung bereit.



geschrieben / geändert am : 30.04.2005